Der Detektiv genoss seinen morgendlichen Kaffee, die Ruhe in seinem Büro, das nicht schellende Telefon und den Blick über die Wiese, die sich vor seinem Haus ausbreitete.

Die halbe Stunde vor dem ersten Kundentermin des Tages füllte er mit Nichtstun, was immer häufiger selten vorkam.

Selbstverständlich ist die unbeabsichtigte Verkürzung dieser selten gewordenen Auszeit durch das vorzeitige Erscheinen der Kundin unangebracht.

Aber, er würde ebenfalls immer 5 Minuten eher bei einem Termin sein.

Die Kundin hat ihn zumindest nicht versetzt. Ein paar Tage zuvor hatte er seine Kinder am Wochenende vertrösten müssen, da ein Kunde ein persönliches Gespräch erbeten hatte. Und was war passiert? Samstag. Vormittag. Er fuhr umsonst an den vereinbarten Ort. Er hasste es versetzt zu werden. Manche Kunden dachten wahrscheinlich, er würde nur darauf warten, für sie den gesamten Tagesplan, bestenfalls am Samstag, über den Haufen werfen, um ihnen seine Hilfe anzubieten. Das ist Verschwendung von Lebenszeit! Was dachten sich die Leute dabei. Es gibt Telefone, da kann man ja wenigstens anrufen und absagen.

Die Kundin war aufgeregt, aber freundlich.

Im Gespräch stellte sich heraus, ihr Ex-Mann behandelte das gemeinsame Kind nicht so wie man es tun sollte.

Er beruhigte die aufgelöste Frau und erklärte ihr was er für sie tun konnte.

Gleichzeitig gab er ihr die Visitenkarte eines Anwaltes. Sie brauchte definitiv einen Anwalt und zwar einen guten.

Der Detektiv war in solchen Fällen extrem motiviert. Nichts war schlimmer als ein misshandeltes und schlecht behandeltes Kind.
Nur glaubte der Frau niemand. Kein Gericht, das Jugendamt nicht, nicht mal die Freunde.

Konnte sich der Ex-Mann so verstellen?

Das galt es herauszufinden.

Die Frau erzählte die ganze Geschichte, alle Einzelheiten, die sie im Laufe der Zeit wahrgenommen und selbst dokumentiert hatte.

Der Detektiv brütete mehrere Tage über mögliche Varianten, wie er dem Kind, der Frau, helfen könne.

Am Telefon sagte er ihr Tage später, es wird schwer, aber ich habe eine Idee.

Der Detektiv trommelte seine besten Ermittler zusammen. Dann legten sie gemeinsam los.

Die Ermittlungen zogen sich über mehrere Monate hin. Die Mutter war teilweise verzweifelt und der Detektiv ermutigte sie immer wieder dazu Geduld aufzubringen.

Geduld? Der Detektiv verzweifelte. Er kannte den Begriff Geduld selbst nicht, obwohl er andere dazu ermutigte.

Doch ohne Geduld und das notwendige Fingerspitzengefühl lässt sich kein Fall aufklären.

Das wusste der Detektiv.

Der Detektiv wunderte sich während seiner Ermittlungen, wie der Ex das solange verheimlichen konnte.

Die Ergebnisse der Ermittlungen waren eindeutig.

Die Sorge der Mutter war berechtigt.

Das Jugendamt schenkte der Mutter, aufgrund der Beweise des Detektives endlich die notwendige Aufmerksamkeit.

Beim Abschlussgespräch mit dem Detektiv wirkte die Frau erleichtert.

Ihr Lächeln und das Strahlen ihrer Augen waren für ihn Motivation genug auch zukünftig den Kompromiss des vorzeitigen Endes der Beobachtung der Wiese zu akzeptieren.

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