Case Teneriffa

TAG I

Ein halbes Jahr Ermittlungen. Nun stehen wir hier, auf der Insel, Teneriffa. Toll.

Dumm nur, dass uns an der Adresse, die wir ermittelt haben, eine völlig falsche Person die Tür öffnet, ein Engländer. Und wirklich gesprächig ist der gerade nicht. Wir erhalten nur ein Murren.

Die netten spanischen Nachbarn können uns auch nicht weiterhelfen.

Ich gebe die Information aktuell an die Auftraggeberin weiter, die natürlich wenig erfreut darüber ist.

Der spanische Detektiv und ich erholen uns erstmal vom Schock der Erfolglosigkeit, bei einem kleinen Kaffee und in der Morgensonne.

Wir schauen uns beide an und haben in diesem Moment die gleiche Idee. Was wenn der gute Herr den Engländer nur an die Tür geschickt hat?

Er muss ja irgendwo einkaufen gehen, Essen gehen, Tanken gehen. Er muss ja raus aus dem Haus.

Gesagt, getan. Auto. Fahren.

Wir sitzen auch gleich in der richtigen Bar, so ein Zufall. Die Bedienung äußert, in mir unverständlichem Spanisch, dass sie die gesuchte Person kenne, auch auf dem Bild erkenne.
Wir sind happy und fragen uns durch den gesamten Ort. Natürlich erhalten wir dabei auch widersprüchliche Aussagen. Komisch dabei ist nur, dass der gute Herr wohl erst 2 Wochen vorher in einem Supermarkt einkaufen gewesen sein soll.

Auto. Fahren. Meeresblick.

Im Supermarkt angekommen, verstummt unsere Freude während des Kopfschüttelns der Angestellten. Rückschlag.

Nächster Kaffee und ein frisch gepresster Orangensaft, Mittagssonne, kein Meeresblick.

Ab ins Auto und nochmal von vorn.

Wir sitzen zusammen und besprechen die vorliegenden Informationen. Wir können alles auf einen Bereich im Umkreis von ca. 3 Kilometern eingrenzen. Irgendjemand muss den Herren kennen.

Wir fragen weiter. Wir fahren weiter.

Eine Barfrau sagt und dann, sie habe eine ähnliche Person am Vortag in einer Autowerkstatt gesehen. Die Werkstatt ist leider zu.

Ein Freund des Gesuchten Betrügers wohnt 500 Meter von uns entfernt. Ein kurzer Weg.

Auto. Heiß. Klimaanlage.

Ich klingle, etwas überraschend für meinen spanischen Freund. Er schaut mich fragend an. Ich sage, wir sind hier, ich warte nicht.

Eine Frau öffnet. Ich erzähle ihr eine Geschichte, die sie mir offensichtlich glaubt, mir als „Schwiegermuttertyp“. Sie lächelt. Ich lächle. Sie gibt mir die Nummer ihres Sohnes.

So, jetzt haben wir zumindest die Nummer des Mittäters, sage ich. Der Spanier lacht.

Auto. Immer noch heiß. Fahren. Meeresblick. Nahrungsaufnahme. Informationsaustausch mit Auftraggeber.

Am Abend suchen wir den eigentlichen Tatort auf, dort wo unsere Auftraggeberin abgezogen wurde.

Fußmarsch. Sunset. Meeresbrise.

Wir stellen fest, dass alles sehr nah beieinander ist. Das Hotel, in dem unsere Auftraggeberin durch den gesuchten Betrüger übers Ohr gehauen wurde. Das Cafè des Mittäters. Das sind nicht mal 500 Meter. Auch hier muss man die Typen ja irgendwie kennen.

Und dem ist auch so. In einer Bar teilt man uns mit, dass der ehemalige Besitzer „des Cafè’s“ seit einiger Zeit nicht mehr hier ist.

Wir treffen uns mit einem spanischen Anwalt.

Livemusik. Cider. Neue Informationen.

Beim Gespräch mit dem Anwalt stoßen wir auf eine neue heiße Spur.

Aber es ist Nacht. Wir sind müde.

Im Hotelzimmer herrschen gefühlte 5000 Grad. In der Nacht wache ich auf, schweißgebadet.

TAG II

Ich bekomme meine Augen kaum auf. Es ist 8 Uhr. Der Ventilator hat meinen Schlaf nicht wirklich verbessert. Die Hitze im Hotelzimmer ist unerträglich.

Suboptimaler Tagesstart!

Trotz allem. Wir stehen eine halbe Stunde später im örtlichen Polizeirevier. Dort kennt man den gesuchten Mann nicht, auch keinen seiner Freunde. Zumindest entnehme ich diese Information dem Kopfschütteln der sehr maskulin wirkenden Beamtin. Auch mein spanischer Kollege wirkt nicht wirklich erfreut. Seine Stirn liegt in Runzeln.

Espresso. Orangensaft. Autofahrt.

Wir erreichen erneut diesen einen Ort. Unaussprechlicher Name. Nennen wir ihn Hauptort.

Wir frühstücken erstmal um ein Gefühl für die Menschen und den Hauptort zu bekommen.

Wir denken nach.

Der Typ wird ja wohl irgendwann mal auf die Post gehen. 10 Minuten später stehen wir vor dem Postamt. Und… witzig… WESTERN UNION. Wieso sucht sich eine Person solch ein verlassenes Dörfchen aus, indem es diese Möglichkeit des Geldtransfers gibt.
Die Postbeamtin bestätigt uns sofort, dass sie den Namen der gesuchten Person kennt. Man bittet uns in ein Büro. Dort schaut uns ein Postbeamter an und äußert, dass wir nicht das richtige Foto zur Person haben. Die Anschrift stimmt. Das Foto nicht.

OK!

Der Postbeamte murmelt irgendwas von Tod und Makler. Mein spanischer Kollege wirkt aufgeregt. Nur spricht er in diesem Moment nicht mit mir. Wir jagen zum Auto, springen rein und düsen in den Nachbarort. Ich weiß nicht warum.

Kein Espresso.

Beim Aussteigen schneide ich mir die Hand am Vulkangestein auf (nur nebenbei).

Auf dem Weg zum Maklerbüro erzählt mir der spanische Kollege, dass der Makler das Haus der gesuchten Person verkauft hat, nachdem dieser „angeblich oder vielleicht wirklich” verstarb.

Wir stehen vor dem Maklerbüro. Nach 10 Minuten Wartezeit, im Wartebereich, bittet uns der Makler hinein.

Spanische Konversation. Kopfnicken. Zustimmendes Nicken des spanischen Kollegen. Unwissende Blicke meinerseits. Der Makler war scheinbar ein Freund der gesuchten Person. Er teilt uns viele interessante Details mit, über die Finanzen des Gesuchten und auch mehr.

37 Minuten später verlassen wir das Büro. Wir fahren erneut in den Ort, in diesen Ort, diesmal direkt zum Friedhof. 3 Minuten später stehen wir vor dem Grab der gesuchten Person. Aber irgendwas stimmt nicht. Fast alle Gräber haben einen Grabstein, diese Grabstätte… nur mit einem Pinsel den Namen flüchtig hingeschmiert? Merkwürdig.

Espresso. Wasser. Fußmarsch zur Registratur.

Es existiert sogar ein Totenschein. Man könnte jetzt fast glauben, der gesuchte sei tatsächlich tot.

Aber was stimmt hier nicht?

Der den Tod feststellende Arzt stammt aus dem Ort, von dem aus die ganzen Betrugshandlungen begangen wurde. Der Arzt ist nicht mal Spanier und warum sollte der Tod durch jemanden bestätigt werden, der nicht für diesen Ort zuständig ist.

Wir fahren zur Polizei. Der Makler hatte uns gesagt, dass bereits Interpol hinter dem Typ hinterher war. Komischerweise kamen die 2 Wochen nach seinem HERZINFARKT an seiner Anschrift an.

An dieser Stelle fragte ich den spanischen Kollegen, warum denn eigentlich sein Freund, den wir unter Legende angerufen hatten, nicht wusste, dass der Gesuchte auf dem Friedhof liegt.

Wir schauen uns an. Richtig. Dort ist der Fehler.

Die Polizei eröffnet uns gegenüber jedenfalls, dass unsere Auftraggeberin nur eine von unzähligen Geschädigten ist. Es gab in diesem Fall schon fast ein Dutzend Festnahmen, nur der Haupttäter, also die von uns gesuchte Person, ist leider durch Tod abwesend.

Wir sitzen am Abend noch lange mit der Auftraggeberin zusammen und besprechen den Fall.

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