Eine Befragung

… nach ca. 47 Minuten und 34 Sekunden …

„Wie sie bereits wissen, sitzen wir hier nicht aus Spaß und Langeweile zusammen. Sie wirken ziemlich intelligent auf mich. Bitte tun sie uns beiden einen Gefallen. Gehen sie davon aus, dass ich es auch bin.“

Zwischen dem Detektiv und dem Angestellten lagen die Dokumente und Bilder. „Ich trink mal was…“ sagte der Angestellte und lehnte sich entspannt zurück. „Sie müssen mir das erstmal beweisen.“

„Das ist ihre Meinung. Sie denken also ich muss ihnen das beweisen?“

Der Detektiv ordnete seine Papiere, lehnte sich ebenfalls auf seinem Stuhl nach hinten, verschränkte zusätzlich seine Arme hinter seinem Kopf und lächelte. „Da liegen sie etwas falsch junger Mann. Ich muss gar nichts. Ich bin nicht die Polizei. Sie müssen mir nichts sagen und ich ihnen nichts beweisen. Aber wissen sie. Ich kann ihnen etwas bieten. Mir ist es letztlich egal, was sie machen. Ich werde von einer Firma dazu bezahlt hier zu sitzen und mit ihnen Kaffee zu trinken.“

Das Lächeln aus dem Gesicht des Angestellten verschwand. Der Detektiv stand auf und ging hinaus. Er sagte dabei kein Wort. Auf dem Tisch ließ er die Unterlagen liegen. Sein Partner saß noch im Raum. Er schwieg. Er schaute auf sein Handy, checkte seine Nachrichten. Zumindest glaubte der Angestellte das. … weitere 7 Minuten und 15 Sekunden später…

Der Detektiv betrat erneut den vorbereiteten Raum. Er ging zum vorbereiteten Tisch, auf dem sich Getränke und Speisen befanden. Dabei sagte er „… auf Toilette ging mir gerade etwas Witziges durch den Kopf. Ich frage sie gar nicht ob sie das hören wollen. Ich erzähl es einfach.“ Er trank einen Schluck Kaffee. „Neulich war ich in einer Firma, für eine sehr renommierte Detektei. Der Name wird ihnen nichts sagen, deshalb lasse ich ihn weg. Aber gehen wir mal davon aus, das dieser Name auch gar keine Rolle spielt. Es geht um die Tatsache, dass in deren Fall alle Beweise vorhanden waren und die Mitarbeiter trotzdem weiter darauf beharrten, nichts getan zu haben. Sie leugneten einfach, weil sie wussten, wenn sie zusammenhalten, passiert nichts.“

Der Detektiv trank einen weiteren Schluck Kaffee. Dabei sah er aus dem Fenster, beobachtete das Treiben auf der Straße, vor dem Hotel. Es war leise. Die Fenster waren schalldicht. Er hasste geschlossene Fenster.

„Jetzt kommt es. Einer dieser Mitarbeiter hatte etwas zu verlieren. Quatsch. Das ist falsch was ich sage. Alle hatten etwas zu verlieren. Sie alle hatten bzw. haben ein Leben. Einer der Mitarbeiter war so vernünftig, dass er am Ende begriff, dass es günstiger war ein Angebot anzunehmen, als es abzulehnen. Am Ende fiel deren gesamtes Lügengeflecht zusammen.“

Der Detektiv kam jetzt zurück zum Befragungstisch. Er lächelte nicht mehr. Sein Partner legte sein Handy weg. Beide schauten den Angestellten an. „Was denken sie?“

„Wie? Was ich denke?“

„Sie hören mir nicht zu, oder? Ich hatte ihnen gesagt, sie sollen mich nicht beleidigen.“

„Ich beleidige sie nicht. Ich verstehe nicht was sie wollen.“

„Doch. Sie beleidigen mich. Ich habe ihnen erklärt, dass sie davon ausgehen sollen, dass ich mindestens genauso gerissen bin wie sie. Sie beleidigen mich, wenn sie davon ausgehen, dass ich es nicht bin.“

Der Detektiv griff in seine Tasche. Er zog ein Blatt Papier aus der Tasche. „Sie sind 42 Jahre? Sie sind gerade 4 Jahre in diesem Unternehmen. Richtig?“

„Das hatten wir schon. Wieso fragen sie mich das nochmal.“

„Sie sind im besten Alter. Familie. Kind. Haus. Auto. Wieso denken sie nehme ich mir die Zeit mich mit ihnen auseinanderzusetzen? Wieso denken sie eigentlich macht ihnen ihr Arbeitgeber das Angebot mit mir sprechen zu dürfen?“

„Ich dachte es sei ein normales Personalgespräch. Woher sollte ich wissen, dass sie mir das vorwerfen. Ich habe keine Ahnung wovon sie die ganze Zeit sprechen.“

„Gehen wir davon aus, dass ich ihnen für die nächsten drei Minuten glaube. Erklären sie mir dann folgende Beobachtung….“

Schweigen. … 3 Minuten und 19 Sekunden später …

„Sie sagen nichts. Hat es ihnen die Sprache verschlagen?“

Schweigen. „Ich freue mich darüber.“

„Worüber freuen sie sich? Machen sie sich lustig über mich?“

„Nein, ganz im Gegenteil. Ich freue mich darüber, dass sie endlich anfangen mir zuzuhören und nachzudenken. Passen sie auf. Wir geben ihnen jetzt einige Minuten Zeit. Überlegen sie, wie sie ihre weitere berufliche Zukunft gestalten wollen. Es ist alles gesagt. Sie kennen die Möglichkeiten.“

Die beiden Detektive gehen gemeinsam mit dem Angestellten aus dem Raum. Der Angestellte raucht, allein. … 38 Minuten und 3 Sekunden später…

„Sie haben lange nachgedacht. Wie haben sie sich entschieden?“

„Sie können aufhören mich zu befragen.“

„Das ist eine recht dürftige Antwort für die lange Bedenkzeit. Aber gut. Wenn sie nicht mit uns reden möchten, ist das natürlich eine Entscheidung. Die Konsequenzen wurden ihnen dargelegt.“

„Nein. Ich möchte, dass sie aufhören mich zu fragen. Ich erzähle ihnen alles. Ich will keine Fragen dazu. Ich unterschreibe alles was sie wollen.“

„Gut. Ich schweige und höre zu. Haben sie etwas dagegen, wenn ich mitschreibe?“

… 93 Minuten und 48 Sekunden später…

„Ich denke wir haben jetzt alles. Danke für ihre Mitarbeit. Ihr Vorgesetzter wird sich gleich im Anschluss noch mit ihnen besprechen. Mit ihm können sie dann alles andere klären.“

Der Angestellte verließ wortlos den Befragungsraum und ging zu seinem Vorgesetzten ins Büro.

Beide Detektive saßen noch am Tisch der Befragung.

„Hättest du gedacht, dass er redet?“

„Ehrlich gesagt? Nein. Er ist wirklich ein schlaues Kerlchen und wusste was wir wollen. Glücklicherweise hat er bemerkt wo sein Denkfehler war.“

Beide Detektive verließen das Hotel, ohne Blumen und Geschenke. In einer Bar belohnten sie sich selbst für ihre Arbeit.

* Diese Geschichte steht in keinem Zusammenhang mit Ermittlungen unserer Detektei. Es handelt sich um eine mögliche Situationsbeschreibung davon, wie eine eine Befragung durchgeführt werden kann.

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