Es ist 07:30 Uhr. Er verlässt das Haus. Wie jeden Arbeitstag trägt er die gleiche Ledertasche mit der rechten Hand, die er in unregelmäßigen Abständen und beinah unmotiviert kontrolliert.

Manchmal ist er recht zeitig zurück von der Arbeit, sein Anzug ist dann immer voller Kreide und er riecht nach Kaffee, stinkt nach Rauch.

Er spricht nie darüber, weder seine Arbeit, die Schule, nicht über die Kinder, auch nicht über seine Kollegen.

Er erledigt seine Hausarbeit gewissenhaft und gründlich. Die Wohnung gleicht einem Krankenhaus, klinisch rein. Das Bügeln geht er leidenschaftlich an, bislang der einzig erkennbare Höhepunkt im so langweilig erscheinenden Tagesablauf dieses Mannes.

Schon über Jahre verhält er sich so.

Seine Frau fährt in ihren Ausführungen fort.

Als sie ihn eines Tages auf Arbeit besuchte, ging sie so schnell wie sie kam, aber irritiert. Er war nicht auf Arbeit.

Als er an diesem einen Tag nach Hause kommt… keine Veränderung. Er verhält sich wie immer, stellt seine Ledertasche auf die Flurgarderobe, zieht seine Jacke aus und geht dann in das Wohnzimmer.
Als er sich auf die Couch setzt, wartet sie, darauf, dass er etwas sagt, auf irgendeine Reaktion.

Nichts.

Sie spricht ihn nicht darauf an. In der Vergangenheit hat er sich immer weiter zurückgezogen, immer wenn sie in fragte, wie es auf Arbeit war oder was seine Kollegen so taten.

Immer mehr durchzog sie dieses ungute Gefühl. Ungewissheit. Was war mit ihm los? Hatte er vielleicht Probleme? Kreide? Kinder? Sie hatte Angst.

Der Druck war zu groß für sie, sie brauchte die Hilfe. Sie brauchte die Gewissheit, auch wenn die Möglichkeit bestand, dass sie Dinge erfuhr, die ihren Mann in ein anderes Licht setzen würden.

….

Ihr Telefon klingelt.

„… ihr Mann ist wie immer 07:30 Uhr aus dem Haus. Eigentlich ist alles wie sie es uns beschrieben haben. Aber wir haben etwas gefunden. Das würden wir lieber persönlich mit ihnen besprechen. Wann passt es ihnen? Es drängt.“

Sie zitterte als der Detektiv anfing zu erzählen was er an diesem Tag beobachtet hatte.

„… sie brauchen keine Angst mehr haben. Es ist leider doch anders als sie oder wir uns das im Vorfeld gedacht hatten…“

An diesem Tag kam er nach Hause, zur gleichen Zeit wie immer. Er hatte Kreide an seinem Anzug und roch nach Zigarettenrauch. Sein Atem roch nach Kaffee. Er stellte seine Ledertasche auf die Flurgarderobe, zog seine Jacke aus und ging ins Wohnzimmer. Dann setze er sich auf die Couch.
Seine Frau wartete bereits auf ihn.

„ Ich habe deine Sachen bereits in einen Koffer und mehrere Müllsäcke gesteckt. Das Zeug steht im Keller. Wenn du gehst, leg bitte deinen Schlüssel auf den Tisch… und ich wünsche dir viel Glück mit deiner neuen Familie.“

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