Wühlmaus

 

 

>> Ja, bitte? <<

Der anonyme Anrufer schwieg mehrere Sekunden. Auch der Detektiv verspürte nicht das Interesse weitere Worte zu sagen. Es kam immer wieder vor, dass ein Anrufer seine Identität damit zu verschleiern versuchte, indem er seine Nummer unterdrückt.

>> Bin ich da richtig in der Detektei? << fragte der Anrufer.

>> Na, ich würde sagen, wenn sie die Nummer der Detektei gewählt haben, dann sind sie wohl auch richtig… <<

>> Entschuldigen sie, dass ich anonym anrufe, aber man weiß hier leider nicht mehr, wem man trauen kann. << flüsterte es am anderen Ende der Leitung.

Der Detektiv verzog die Augenbrauen, natürlich sah das der Anrufer nicht. Ob er es spürte, weiß man nicht.

>> Schon wieder ein Verfolgter… << dachte der Detektiv.

>> In meinem Unternehmen… <<

Der Detektiv setzte sich gerade hin und nahm einen Stift in die Hand.

>> … laufen seit einigen Monaten die merkwürdigsten Dinge ab. Es wäre mir am liebsten, wenn wir uns irgendwo an einem diskreten Ort treffen würden. Da könnte ich Ihnen die ganze Geschichte erläutern. <<

>> Das können wir gerne machen. Darf ich trotzdem vorher fragen, wie ihnen meine Detektei weiterhelfen kann oder soll? Verstehen sie mich nicht falsch, viele rufen hier einfach an und denken wir könnten alles tun, so wie im Fernsehen. Gewisse Sachen, eigentlich fast alle, laufen im realen Leben etwas anders ab, als man das im TV vermittelt bekommt. << antworte der Detektiv mit ruhiger und klarer Stimme.

>> Ich verstehe sie, ich habe ja auch eine Firma. Ich rufe sie an, weil ich weiß, dass sie mir helfen können. Ich finde es auch gut, dass ich gleich einen Detektiv am Telefon habe und nicht eine Sekretärin irgendwo ganz weit weg. Ich will jemanden, der auch wirklich von hier ist und nicht am anderen Ende Deutschlands sitzt. << kam es jetzt etwas sicherer durch den Hörer.

Der Detektiv schlug der Anruferin einen Treffpunkt vor.

 

… 2 Tage später.

 

In einem Cafè in Leipzigs Südvorstadt saßen sich der Detektiv und die Unternehmerin gegenüber. Beide wussten jetzt, dass das gegenseitige Misstrauen unbegründet war.

>> Ich freue mich, dass sie die Zeit gefunden haben. << sagte die Unternehmerin. >> Es ist schwer in einer solchen Situation Vertrauen zu jemandem aufzubauen. Da sie mir am Telefon nichts verkaufen wollten, sondern mir ziemlich deutlich gesagt haben, dass immer auch die Möglichkeit besteht, man bilde sich Dinge nur ein… nur aus diesem Grund habe ich dem Treffen zugestimmt. <<

>> Es bringt nichts einem Kunden etwas zu verkaufen. Der Kunde hat immer irgendein Problem, deshalb ruft er an. Viele Probleme kläre ich gleich am Telefon, denn manchmal brauchen Menschen einfach nur einen Rat oder eine klare Ansage, dass es unverhältnismäßig ist, eine Observation oder eine Ermittlung überhaupt zu starten. Ich nehme nur Fälle an, die mich auch interessieren oder die mir so knifflig erscheinen, dass es mir im ersten Moment so erscheint sie wären eventuell nicht lösbar. Doch kein Fall ist unlösbar. << erwiderte der Detektiv, sichtbar zufrieden mit seiner Ausführung.

Beide saßen über 3 Stunden im Café.

Die Unternehmerin erzählte dem Detektiv ihre Geschichte. Sie ließ dabei nichts aus, denn der Detektiv hatte ihr klar gemacht, es wäre sinnfrei die Details auszulassen, da es genau diese seien, die die Lösung bedeuten könnten.

Am Ende des Gespräches äußerte die Unternehmerin >> … ich verstehe es einfach nicht… ich sitze die ganze Zeit im Büro, rackere und habe tolle neue Ideen. Nur leider sehe ich sie wenige Tage später bei der Konkurrenz. Was denken sie? Es ist doch nicht normal!!! << Die Frau war aufgewühlt und verzweifelt.

>> Gut. Es waren jetzt einige, ehrlich gesagt sehr viele, Informationen. Ich schlage ihnen vor, ich schlafe eine Nacht drüber und sie, darum bitte ich sie, notieren weiterhin alle Auffälligkeiten und das was ihnen heute Abend oder in der Nacht noch einfällt. <<

Der Detektiv schlug sein gebundenes Notizheft zu und legte seinen kupferfarbenen und abgegriffenen Füllhalter daneben.

Mitternachts lag der Detektiv im Bett. An Einschlafen war nicht zu denken. Es ist wie beim Rubik`s Cube. Die Farben wollten einfach nicht übereinstimmen.

Nach 2 Stunden fiel der Detektiv in einen tiefen Schlaf. Der Würfel war gefallen. Die Farben stimmten.

Am nächsten Nachmittag übernahm er einen Stapel Notizen von der Unternehmerin und sagte ihr dabei, >> Ich löse es. <<

 

…. 9 Wochen später.

 

>> Man hat versucht, sie auszuspionieren. Die beiden Typen, die das versucht haben, arbeiteten früher mal bei der Konkurrenz. << äußerte der Detektiv, während er in seinem Dossier herumblätterte, ohne dabei den Blick zu heben.

>> … sagen wir so, es handelt sich um problematisch strukturierte Persönlichkeiten. Glücklicherweise sind es eben deren Probleme, die sie angreifbar machen. Wir gehen folgendermaßen vor: 1. … <<

 

… 1 Jahr später im Gerichtssaal.

 

Die Unternehmerin saß neben ihrem Anwalt.

Gegenüber der Unternehmerin saßen ihr ehemaliger Freund Herr X. und eine Mitarbeiterin ihrer Firma.

>> Kommen wir nochmal zurück auf den Anfang. Wie hatten sich Herr X. und die Unternehmerin nochmal kennengelernt? << fragte der Richter.

>> Na ja. Ich kann ihnen erklären, wie Herr X. die Unternehmerin kennenlernen wollte und die Klägerin dann auf ihn hereinfiel. << antwortete der Detektiv.

 

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