Hätte man eine Nadel fallen lassen, keine Ahnung, wahrscheinlich wäre sie zu Boden gefallen und vielleicht hätte man den Aufschlag der Nadel vernommen, vielleicht aber auch nicht, beachtet man die Tatsache, dass der Boden aus Linoleum bestand und deshalb ein gewisses Abfedern der Nadel zu erwarten gewesen wäre.

Letztlich hat keiner der im Raum Anwesenden eine Nadel fallen lassen, auch kein Skalpell.
Die Spannung war unerträglich, wusste doch im Prinzip jeder im Raum was im anderen vorging, was der andere dachte, warum er es dachte.

Einige Wochen zuvor wusste zumindest eine Person im Raum nicht was die anderen wussten.

Diese eine Person spürte jedoch aber, dass sich ihr Mann verändert hatte. Er konnte ihr nicht mehr in die Augen schauen, wich ihren Blicken ständig aus.

Sicher, die unterschiedlichen Bereiche ihrer Arbeit räumte jedem einen gewissen persönlichen Freiraum ein. Nur ahnte sie nicht, dass dieser Freiraum von ihm anders interpretiert wurde.

Das Bauchgefühl stimmte nicht. Irgendetwas stimmte mit ihm nicht. Diesem Bauchgefühl nachzugeben widerstrebte ihr. Vielleicht lag es ja doch an ihr. Ja, sie hatte zwei Kinder bekommen, sie war keine 20 mehr, aber sie war liebende Mutter, sie war eine gute Ehefrau. Sie bildete sich das doch alles ein, oder?

Während des spätabendlichen Fernsehprogramms unterbrach sie ihr Zappen bei einem Privatsender, der einen Beitrag über Privatdetektive im Einsatz ausstrahlte. Plötzlich erschrak sie bei der Übereinstimmung, der im TV gestellten Szenen, mit ihrem eigenen Leben.

DAS Bauchgefühl war nun nicht mehr zu verdrängen.

Der Privatermittler erklärte ihr im Gespräch den Unterschied zwischen Fernsehen und Realität. Viele Kunden erachteten die gestellten Szenen und kreierten Superhelden als Realität und wirkten oft verwirrt und enttäuscht, wenn er sie aufklären musste, dass Informationen nicht einfach so vom Himmel fallen und manchmal eine sehr lange Zeit vergehen würde, bis eine Situation eintritt. Natürlich könnte man dies im TV nicht zeigen, da damit alle Sendezeiten überschritten würden und die Zuschauer sehr schnell gelangweilt wären.

Sie grübelte.

Sie wurde selbst zur Schnüfflerin und achtete auf alles was ihr der Ermittler geraten hatte. Sie war ihm dankbar, wusste aber, dass sie ihren BEWEIS nur über ihn bekommen würde.

Wenige Wochen später traf sie den Ermittler erneut. Sie legte einen Aktenordner vor ihm ab. Der Ermittler schmunzelte und bedankte sich.

Informationsfülle. Der Ermittler bekam Kopfschmerzen beim Analysieren der 96 Seiten.

Nach einigen Tagen hatte er die Lösung gefunden. Dann ging alles sehr schnell. Zielsicher.

DER Mann arbeitete, jeden Tag verließ er pünktlich die Arbeit und traf fast genauso pünktlich zu Hause ein.

Er verhielt sich nicht wie geplant.

Sie verzweifelte, hatten doch ihre eigenen Ermittlungen etwas völlig anderes ergeben.
Hatte er etwas mitbekommen? Hatte sie zu viel geschnüffelt?

Dann kam eine ihrer Kolleginnen, nach einem Urlaub, wieder auf Arbeit.

Der Privatermittler sagte ihr einen Tag später: “… wir haben ihn erwischt…”

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